22.06. – Vom Röblinsee über Fürstenberg zum Stolpsee
Nach einer hervorragenden Nacht auf dem Wangnitzsee begann der Morgen genau so, wie ein Bootsmorgen beginnen muss: mit einem großen Pott Kaffee, den neuesten Nachrichten und der vorsichtigen Hoffnung, dass die Weltlage wenigstens so stabil bleibt wie unser Anker in der Nacht. Das Boot lag ruhig, die Sonne hatte gute Laune, und wir auch.
Also starteten wir um 10:00 Uhr zur Weiterfahrt.
Es ging weiter auf der Havel, über den Großen Priepertsee und dann auf den Ellbogensee. Der heißt nicht nur so, er sieht auch so aus, als hätte die Natur beim Zeichnen kurz den Arm angewinkelt und gesagt: „Ach, passt schon.“ Genau hier beginnt unsere eigentliche Rundreise.
Heute bogen wir nach links ab in Richtung Fürstenberg. Wenn alles klappt, kommen wir später von rechts zurück – vom Müritzsee her. Das ist der schöne Moment bei einer Rundtour: Man fährt los und weiß, irgendwann schließt sich der Kreis. Hoffentlich nicht zu früh, nicht zu flach und nicht mit einem Schild „Durchfahrt unmöglich“.
Zunächst ging es weiter über den Ziernsee und den Menowsee bis zur Schleuse Steinhavelmühle.
Eine Selbstbedienungsschleuse. Das klingt nach Freiheit, Technik und unkompliziertem Ablauf. In der Praxis bedeutet es gelegentlich: Alle dürfen mitmachen, aber nicht jeder weiß sofort, wobei.
Vor uns herrschte ordentlich Gegenverkehr. Auf der anderen Seite lagen so viele Boote, dass selbst der wirklich lange Anleger nicht ausreichte. Es sah aus, als hätte jemand eine Bootsausstellung eröffnet. Dann begann das große Einsortieren in die Schleuse. Langsam. Sehr langsam. Manöver wurden angesetzt, verworfen, neu erfunden und teilweise so ausgeführt, dass selbst die Enten am Ufer betreten wegsahen.
Es dauerte ewig, bis alle Boote ihren Platz gefunden hatten. Vielleicht hatte in der allgemeinen Hektik auch jemand vergessen, den grünen Hebel zu ziehen.
Möglich ist auf dem Wasser vieles, besonders wenn mehrere Menschen gleichzeitig sicher sind, dass sie alles richtig machen. Egal. Irgendwann öffnete sich das Tor, die ganze Armada kam heraus, und wir konnten endlich hinein.
Nach kurzer Weiterfahrt erreichten wir um 13:00 Uhr unseren Ankerplatz auf dem Röblinsee. Ein guter Platz. Ruhig genug, um durchzuatmen, schön genug, um nicht sofort weiterzuwollen, und passend für eine Pause nach einer Schleuse, die aus einem kurzen technischen Vorgang eine Geduldsprüfung mit Wasseranschluss gemacht hatte.
Am nächsten Morgen lief wieder unser bewährtes Bordprogramm: Kaffee, Nachrichten, Lagebesprechung. Danach ging es weiter Richtung Fürstenberg. Bevor wir am Stadtanleger festmachen konnten, wartete allerdings noch die Stadtschleuse Fürstenberg auf uns. Eine Schleuse mitten im Ort hat immer etwas Besonderes.
Man fährt nicht nur durch eine technische Anlage, man tritt gewissermaßen durch die Hintertür in die Stadt ein.
Dann noch durch den Baalensee, hinein in den Schwedtsee, kurz um die Ecke – und schon waren wir am Stadtanleger Fürstenberg.
Das klingt einfach. Auf dem Wasser klingt vieles einfach, bis Wind, Strömung, andere Boote oder ein schlecht gelaunter Dalben ihre Meinung dazu äußern. Diesmal klappte aber alles.
Als Erstes testeten wir die Fischbrötchen. Man muss den Dingen eine zweite Chance geben, besonders wenn sie essbar sind.
Leider bestätigte sich der Eindruck vom vorigen Jahr: Die Qualität war eher bescheiden. Vor allem das Seelachs-Brötchen wirkte, als hätte es selbst schon Zweifel an seiner Berufung als die Krönung der Fischbrötchen.
Preislich allerdings spielte es ganz oben mit.
Kulinarisch Mittelmaß, finanziell Siegertreppe.
Auch das ist eine Leistung, wenn auch keine, für die man Beifall erwartet.
Danach gingen wir sofort zum Einkaufen nach Netto. Das war notwendig, vernünftig und folgenreich. Denn jetzt hatten wir das Boot endgültig tiefergelegt. Nicht mit einem Sportfahrwerk, sondern mit Getränken, Lebensmitteln und dem beruhigenden Gefühl, für kleinere Belagerungen vorbereitet zu sein.
Eigentlich wollten wir zwei Nächte in Fürstenberg bleiben. Der Plan war gut.
Die Hitze nicht.
Es war so brütend heiß, dass selbst der Schatten vermutlich den Schatten gesucht hätte.
Nach einer Nacht entschieden wir deshalb: Flucht. Keine dramatische, aber eine entschlossene.
Früh ging es weiter zu unserem Ankerplatz auf dem Stolpsee.
Und das war genau die richtige Entscheidung. Auf dem Stolpsee gab es etwas Wind, freies Wasser und die beste Klimaanlage, die ein Boot haben kann: jede Stunde ins Wasser. Rein, abkühlen, raus, trocknen, wieder rein. So kann man es aushalten. Gegenüber von unseren Ankerplatz liegt Himmelpfort da kann man sagen bis Weihnachten ist es nicht mehr weit. So könnte man es sogar eine ganze Weile aushalten, wenn da nicht dieses andere Thema wäre.
Denn während wir im Stolpsee lagen und das Leben für kurze Zeit ziemlich vernünftig wirkte, machten uns die Wasserstände Sorgen. Man konnte beinahe zusehen, wie sie sanken. Nicht täglich, gefühlt stündlich. Die Pegel wurden zum heimlichen Gesprächsthema an Bord. Erst beiläufig, dann regelmäßiger, schließlich mit diesem Tonfall, den man bekommt, wenn eine Idee nicht mehr nur unbequem, sondern ernst wird.
Wenn es so weitergeht, werden wir die Elbe bei Dömitz vermutlich nicht passieren können. Das wäre ärgerlich, aber nicht das Ende der Reise. Auf dem Wasser lernt man schnell: Wer nur einen Plan hat, hat eigentlich keinen. Deshalb gibt es bei uns Plan B. Und Plan C. Welche Variante es wird, entscheiden wir in Liebenwalde.






