- Ort oder Etappe
- Ellenbogensee
- Schleusen
- 2
oder: Wenn der Kopf ankert und kein Text in Sicht ist.
Wie schon vorher gesagt: Es kommt immer anders, als man denkt. Das gilt für Wetterberichte, Wasserstände, Schleusenampeln – und offenbar auch für Reiseberichte.
Eigentlich dachte ich: Den Bericht schreibe ich mal schnell. Ein paar Sätze, ein bisschen Strecke, etwas Wasser, ein paar Gedanken, fertig. Aber nööö. Der Kopf sagte: „Heute nicht.“ Die Finger lagen bereit, der Bildschirm wartete, die Erinnerungen waren da – nur die passenden Worte hatten sich irgendwo versteckt. Vermutlich in einer Ankerbucht ohne Handyempfang.
Also tat ich das einzig Vernünftige: Beine hochlegen und Löcher in die Luft starren. Das klingt nach Nichtstun, ist aber in Wahrheit eine hochkomplexe kreative Tätigkeit.
Man sitzt da, schaut ins Nichts und hofft, dass aus dem Nichts irgendwann ein Satz auftaucht, der nicht klingt wie ein Wetterbericht für müde Enten.
Am Stolpsee waren wir inzwischen vier Nächte geblieben, bis zum 21.07. Und das war keine schlechte Entscheidung. Der Stolpsee kann ruhig sein, einladend und so entspannt (oder es schüttet wie aus Eimern – auch ein Grund zu bleiben), dass man beinahe vergisst, dass eine Reise eigentlich Bewegung verlangt. Aber irgendwann ist auch der schönste Ankerplatz kein Ziel mehr, sondern eine Pause, die langsam ihr Verfallsdatum erreicht.
Also ging es weiter.
In Fürstenberg legten wir nur kurz zum Einkaufen an. Kein großer Stadtbummel, keine ausgedehnte Besichtigung, kein romantisches Verweilen am Steg. Nur Vorräte fassen, das Boot wieder ein bisschen tieferlegen und weiter.
Auf einem Boot bedeutet Einkaufen nie einfach „etwas mitnehmen“. Es bedeutet: Die Bilanz zwischen Versorgungssicherheit und Tiefgang neu verhandeln.
Danach übernachteten wir auf dem Röblinsee. Eine ruhige Zwischenstation, fast wie ein Komma in der Reise. Kein großes Drama, kein lautes Ereignis, einfach ein guter Platz für die Nacht. Manchmal braucht ein Reisetag nicht mehr. Wasser, Anker, Abend, Ruhe – und das Gefühl, dass alles genau so reicht.
Heute, am 22.07., ankern wir auf dem Ellbogensee.
Der Name passt gut. Nach Tagen voller Hitze, Wetterentscheidungen, Planänderungen und Schreibblockade liegen wir nun gewissermaßen in der Armbeuge der Reise. Nicht mehr ganz dort, wo wir waren, noch nicht dort, wo wir hinwollen, aber an einem Platz, der sagt: „Bleibt kurz. Sortiert euch. Morgen sehen wir weiter.“
Vielleicht ist das überhaupt das Geheimnis solcher Touren.
Man fährt nicht nur von See zu See, von Schleuse zu Schleuse oder von Einkaufsmöglichkeit zu Einkaufsmöglichkeit. Man sammelt kleine Übergänge. Mal spektakulär, mal still, mal mit Sturmwarnung, mal mit leerem Kopf vor einem weißen Blatt.
Und wenn dann gar nichts mehr geht, hilft manchmal nur eins: Anker fallen lassen, Beine hoch, in die Luft starren – und darauf vertrauen, dass der nächste Satz irgendwann von allein angeschippert kommt


