- Schleusen
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Dieser Bericht fällt etwas kürzer aus, denn den größten Teil der Strecke haben wir auf der Hinfahrt bereits beschrieben. Man muss die Havel schließlich nicht zweimal vorstellen. Sie weiß, wie sie aussieht, und wir wissen inzwischen auch, wo sie ihre Schleusen versteckt.
Am 08.07. um 9:45 Uhr treten wir den Rückweg an. Der Kurs ist klar, das Boot bereit, und unser Ankerplatz ist wieder die Pfaueninsel. Ein schöner Platz, ruhig, grün, fast ein bisschen vornehm. Man liegt dort und hat das Gefühl, selbst der Anker müsste eigentlich leise fallen, um die Umgebung nicht zu stören.
Unser Nachbar allerdings bringt eine andere Vorstellung von Zurückhaltung mit: ein Powerboot mit über 1000 PS Motorleistung. Auf den Havel-Gewässern, wo man im Schnitt mit etwa 10 km/h unterwegs ist, ergibt das ungefähr so viel Sinn wie ein Rennpferd im Wohnzimmer. Beeindruckend ist es trotzdem. Man schaut trotzdem hin, drei mal 400 PS Außenbordmotor, das ist heftig.
Uns interessieren an diesem Platz aber weniger die Pferdestärken als die Tiere um uns herum. Besonders die Mandarinenenten haben es uns angetan. Diese Vögel sehen aus, als hätte die Natur beim Bemalen kurz sämtliche Farbregeln vergessen und dann beschlossen: „Ach, lassen wir so, sieht lustig aus.“ Zwischen Grün, Wasser und Abendlicht wirken sie fast wie kleine schwimmende Kunstwerke, nur mit mehr Selbstbewusstsein.
Am nächsten Tag geht es weiter durch die Schleuse Spandau. Und diesmal erleben wir etwas, das auf dem Wasser fast schon verdächtig ist: Wir kommen an, das Tor geht auf, die Ampel steht auf Grün. Kein Warten, kein Frachtschiff, keine innere Reifungsprüfung. Schneller geht es nicht. Man wird fast misstrauisch, wenn eine Schleuse so kooperativ ist. Aber wir nehmen es dankbar hin. Man sollte das Glück nicht verhöhnen, wenn es gerade die Tore öffnet.
Da uns der Liegeplatz im Stadthafen Tegel beim letzten Mal gut gefallen hatte, fahren wir wieder dorthin. Tegel hat für uns inzwischen etwas angenehm Praktisches: Man kommt gut ran, kann einkaufen und hat trotzdem noch genug Wassergefühl um sich herum. Wir gehen zu Edeka, füllen die Vorräte auf und holen bei der Minigolf-Anlage Wasser. Das ist auch so ein Bootsmoment: Während andere dort Bälle über kleine Hindernisse schieben, marschiert man mit Kanistern herum und freut sich über jeden Liter.
Am Steg übernachten wollen wir aber nicht. Also suchen wir uns einen schönen Ankerplatz auf dem Tegeler See. Das Boot hängt ruhig, der Abend senkt sich über das Wasser, und der Tag bekommt diesen friedlichen Abschluss, bei dem man nichts weiter tun muss, als dazusitzen und zufrieden auszusehen.
Am Freitag, dem 10.07., geht es weiter. Vorbei am Stahlwerk Hennigsdorf fahren wir direkt zum Lehnitzsee. Dort finden wir einen so schönen Ankerplatz, dass wir kurzerhand drei Tage bleiben. Es gibt Orte, an denen man sofort merkt: Hier muss man nicht erklären, warum man bleibt. Man bleibt einfach. Wasser, Ruhe, ein bisschen Wind, genug Abstand zur Hektik – fertig ist das kleine Bordparadies.
Aber drei Tage gar nichts tun? Das ging dem Boot offenbar zu weit. Ein Boot braucht Beschäftigung, besonders für seinen Besitzer. Also beschloss es, die Seewasserpumpe außer Dienst zu stellen. Nicht mit großer Ankündigung, nicht dramatisch, sondern einfach so. Die Botschaft war klar: „Du hast dich genug erholt. Jetzt darfst du wieder schrauben.“
Endlich hatte ich Gelegenheit, meinen Körper in eine Position zu bringen, die vermutlich irgendwo zwischen Yoga, Boots-Akrobatik und orthopädischer Herausforderung liegt. Wer glaubt, auf einem Boot sei alles gut zugänglich, hat noch nie versucht, eine Pumpe an genau der Stelle auszubauen, an der Konstrukteure offenbar nur mit Kinderhänden gerechnet haben, ups ich habe sie ja selber an der Stelle eingebaut.
Ich verbog mich also in den passenden Winkel, baute die Pumpe aus und überprüfte sie. Der Druckschalter kam ab, wurde mehrfach per Daumen betätigt, begutachtet, innerlich befragt und schließlich wieder montiert. Dann alles zurück an seinen Platz, ein kurzer Moment gespannter Erwartung – und siehe da: Die Seewasserpumpe funktionierte wieder.
Wir waren zufrieden. Und offensichtlich war auch das Boot zufrieden, denn es verzichtete auf weitere Überraschungen. Man muss das loben. Ein Boot, das nach einer Reparatur schweigt, zeigt Charakter.
Nach drei Tagen am Lehnitzsee war es für uns allerdings genug. So schön ein Ankerplatz auch ist: Irgendwann beginnt der Blick wieder über den Horizont zu wandern. Also ziehen wir weiter in den Stadthafen Liebenwalde. Dort bleiben wir auf jeden Fall zwei Tage – schon wegen des guten Essens. Manche Entscheidungen brauchen keine nautische Begründung.
Ich hole noch einmal einen Kanister Benzin von der Tankstelle. Diesmal mit Hut auf dem Kopf. Diese kleine, aber entscheidende Verbesserung wird von der Bootsfrau sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen. Nach der letzten Sonnenaktion war das auch besser so. Der Hut ist damit nicht nur Kopfbedeckung, sondern offiziell Teil der Sicherheitsausrüstung.
Morgen, am 15.07., fahren wir weiter in Richtung Zehdenick. Wenn alles ruhig bleibt, wird es ein normaler Fahrtag. Aber da Boote, Schleusen und Wetter eigene Persönlichkeiten haben, sagen wir das lieber nicht zu laut.


