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Das Schiffshebewerk – Industrieromantik auf 36 Metern
Der Oder-Havel-Kanal ist – und das lässt sich kaum anders sagen – ziemlich öde. Die Kanalfahrt ist gerade, die Ufer sind gerade, und alle paar Kilometer stehen Sicherheitstore, die sich bei einer Havarie schließen können. Die einzige Abwechslung: entgegenkommende Schubeinheiten, die sich majestätisch wie wandelnde Fabrikgebäude durch das Wasser schieben.
Aber dann: Niederfinow.
Das alte Schiffshebewerk Niederfinow ist kein Bauwerk – es ist eine Erfahrung. Gebaut von 1927 bis 1934, ragt es 60 Meter in den Himmel. 94 Meter lang, 27 Meter breit. Der Trog, in dem die Boote einfahren, misst 85 mal 12 Meter innen. Und dieser Trog – gefüllt mit Boot und Wasser und einer gewissen ehrfürchtigen Stille – wiegt 4.300 Tonnen, wenn er voll ist. 256 Stahlseile, Elektromotoren, Gegengewichte. 36 Meter Höhenunterschied werden überwunden.
Man fährt rein. Das Wasser hebt sich. Oder man hebt sich. Schwer zu sagen. Einfach zu spüren. Über Lautsprecher erfährt man, ob man ins alte oder ins neue Hebewerk einfährt – ein Detail, das klingt, als wäre es aus einer anderen Welt.
Oderberg, Hohensaaten & Der erste Blick auf die Oder
In Oderberg übernachten wir: gleich hinter der Brücke, am Anleger. Zunächst weniger schön als erhofft – das Ausflugsschiff nebenan schickt seine Motorabgase direkt zu uns herüber, mit einer Präzision, die man nur bewundern kann. Dann Stille. Schlafen.
Schleuse Hohensaaten Ost: Hier beginnt das Abenteuer Oder. Und das Abenteuer startet mit einer wichtigen Frage: Wie tief ist es gerade?
Der Schleusenwärter meldet 54 Zentimeter in der Zufahrt – der Wriezener Alten Oder. Was das bedeutet, wissen wir „bis heute nicht“, wie wir ehrlich zugeben müssen. Wir fahren trotzdem. Das Echolot zeigt 90 Zentimeter unter dem Kiel. Das reicht. Und dann – dann beginnt die Oder zu fließen. Mit Strömung. Richtig mit Strömung.